2001–2005: Hoehlenerkundung im dichten Dschungel und Basislager in der Hang-En-Hoehle
Der Zeitraum von 2001 bis 2005 stellt ein besonderes Kapitel in der Erforschung Vietnams durch britische Hoehlenforscher dar. Bis 2001 hatte das Team – mit einem Hauptstuetzpunkt im Dorf Son Trach – bereits zwei bedeutende Hoehlensysteme im Ke Bang Massiv identifiziert: das Phong Nha System und das Hang Vom System. Die Expeditionen in diesen fuenf Jahren waren gepraegt von intensiver Hoehlenerkundung im dichten Dschungel, wobei Basislager sowohl in der Hang En Hoehle als auch im umliegenden Dschungel eingerichtet wurden.
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2001: Erkundung der Hang En Hoehle und umliegender Hoehlen
Ein Team aus vier britischen Hoehlenforschern und einem Geologen errichtete waehrend dieser Expedition ein fuenftaegiges Lager in der Hang En Hoehle, um bislang unerforschte Bereiche zu untersuchen. Dies fuehrte zur Entdeckung von Hang Lanh, einer Karstquelle (Resurgence) und einem der Zufluesse des Phong Nha Systems. Zudem wurden in diesem Gebiet auch Hang Doi und Hang Ca erkundet.
Bis Ende des Jahres 2001 erreichte das Phong Nha System eine Gesamtausdehnung von 44,5 Kilometern und bestaetigte damit seinen Status als das laengste Hoehlensystem Vietnams.
Im Verlauf der Expedition wurden insgesamt 4.690 Meter an Hoehlengaengen erfolgreich vermessen und kartiert.
Wichtigste Erfolge
Hang Lanh: Die Hoehle hat eine Laenge von 3.753 Metern. Sie fungiert als bedeutender oberirdischer Zufluss (Upstream-Feeder) und speist das groessere hydrologische System von Phong Nha.
Hang Doi: Diese Hoehle liegt unterhalb des Hauptlagers bei Hang En und besteht aus einem grossen trockenen Gang, der auf insgesamt 453 Meter erkundet wurde.
Hang Ca: Die Erkundung dieses 361 Meter langen Seitenarms erfordert ein durchgehendes Schwimmen durch kaltes, klares Wasser, das vermutlich aus dem entfernten Karsteinbruch von Khe Tien stammt.
2003: Erkundung des Oberlaufs des Hang Vom Systems
Die Expedition im Jahr 2003 konzentrierte sich darauf, tiefer in die abgelegene Dschungelregion von Ruc Ca Roong vorzudringen. Hauptziel war es, die Erkundung des Oberlaufs des Hang Vom Systems weiter auszudehnen und gleichzeitig das schwierige Gelaende zwischen den bekannten Schluckloechern und Karstquellen (Resurgences) beider grosser Hoehlensysteme systematisch zu vermessen.
Im Verlauf dieser Expedition wurden insgesamt 6.257 Meter an Hoehlengaengen erfolgreich vermessen und kartiert.
Wichtigste Erfolge
Hang About (Hang Vom Cave System): In diesem Jahr wurden 820 Meter der Hang About erkundet, die als wichtiger hydrologischer Verbindungsgang innerhalb des ausgedehnten Hang Vom Systems dient. Die Hoehle ist durch ein raues, urspruengliches Erscheinungsbild gepraegt, mit scharfkantigen Kalkstein-Flussbetten und grossen Versturzbereichen, die eine vorsichtige Fortbewegung erfordern. Im Gegensatz zu reich verzierten Hoehlen sind die Waende hier glatt und karg – ein deutliches Zeichen fuer die starke Erosion durch Hochwasser waehrend der Monsunzeit. Besonders markant ist der sogenannte „Jade Splinter“-Eingang, ein elegantes, elliptisches Portal mit Blick auf den dichten gruenen Dschungel.
Hang Nuoc Nut: Mit einem imposanten Eingang von etwa 15 Metern Breite und 30 Metern Hoehe erschliesst diese Hoehle sowohl hochgelegene fossile Gaenge als auch aktive Flussschluchten. Der Hauptgang ist von monumentalen Ausmassen, mit Abschnitten von ueber 50 Metern Breite, geschmueckt mit riesigen Tropfsteinen und fein ausgebildeten Sinterbecken. Ein besonderes Highlight ist die „Stal Magicians’ Workshop“ – eine Galerie von aussergewoehnlicher ästhetischer Schoenheit. Die Erkundung folgt in der Regel dem sogenannten „Ribbit River“-Canyon, einem wasserreichen Gang, der schliesslich an einem Endsiphon endet.
Die Höhle hat eine Gesamtlänge von bis zu 2,2 Kilometern und wird auf ein Alter von etwa 2 Millionen Jahren geschätzt.
Hang So Doi (Rice Bowl Cave): In der Naehe historischer Wegspuren gelegen, erreicht Hang So Doi eine Laenge von 1.124 Metern. Das Innere ist gepraegt von trockenen, kiesbedeckten Passagen, die sich zu grossraeumigen Hallen oeffnen und mit eleganten Sinterformationen sowie klaren Kalzitbecken ausgestattet sind.
Hang So Dua (Chopstick Cave): Hang So Dua ist eine kleinere Hoehle mit einer Laenge von 260 Metern. Sie ist gekennzeichnet durch enge, schlammige Kluftgaenge und anspruchsvolle Kriechpassagen, die kurzzeitig in einen ruhigen Flussgang fuehren, bevor das Wasser in einem Endsiphon verschwindet.
2005: Die große Ausweitung der Höhlenforschung
In diesem Jahr erkundete das Team zahlreiche Höhlen im Hang-Vom-System sowie Hang Klung, Hang Kling und Hang A Cu. Im Distrikt Minh Hoa wurden zwei bedeutende Flusshöhlen erforscht: Hang Ma Nghi mit einer Länge von 610 Metern und Hang Thuy Van mit 691 Metern.
Das Team besuchte zudem den Distrikt Quang Ninh und entdeckte dort mehrere wichtige Höhlen. Hang Rao May (136 Meter) und Birthday Cave (388 Meter) sind Teil eines heute ausgedehnten Flusshöhlensystems. Hang Cha Rao, eine Karstquelle (Resurgence), wurde über eine Strecke von etwa 2 Kilometern erkundet, jedoch ohne Abschluss – die Expedition endete an einem Wasserfall, der aufgrund der starken Wasserführung nicht überwunden werden konnte.
Darüber hinaus begann das Team mit der Erkundung von Gebieten westlich des Chay-Flusses. Dabei wurden Hang Nuoc Lan (965 Meter) und Hang Da Trang (270 Meter) untersucht. In der Nähe des Dorfes Phong Nha wurde Hang Duc mit einer Länge von 1.335 Metern erforscht. Ebenfalls erkundet wurde Hang Me Bon Con mit 732 Metern. Diese Höhle war besonders bedeutsam, da ein lokaler Führer das Team zu einem weiteren Eingang führte, der sich als trockener Eingang zur Hang-Vom-Höhle herausstellte. Dieser Zugang war zuletzt 1992 vom ursprünglichen Eingang aus erreicht worden und danach lange Zeit nicht mehr bekannt.
Dieser Eingang wurde im Jahr 2010 weiter erschlossen und ist heute als Paradise Cave bekannt, eine für Besucher zugängliche Schauhöhle von beeindruckender Schönheit.
Im Verlauf der Expedition wurden insgesamt etwa 11,5 Kilometer an Höhlengängen erfolgreich vermessen und kartiert.
Wichtigste Erfolge
Hang Klung
Mit einer Länge von über 1.085 Metern ist Hang Klung eine beeindruckende Höhle, die mit dem Flusssystem von Ruc Ca Roong verbunden ist. Die Höhle besitzt einen steilen Eingangsabhang, der in eine gewaltige Kammer führt, die mit alten Tropfsteinen und trockenen Sinterbecken gefüllt ist. Eine starke Luftströmung leitet die Forscher durch große Passagen, von denen einige eine Breite von bis zu 50 Metern erreichen.
Hang Kling
Hang Kling ist eine kleinere Höhle mit einer Länge von etwa 120 Metern. Sie liegt in der Nähe einer lokalen Siedlung und dient als kurzer Durchgang durch die Kalksteinfelsen.
Hang Ma Nghi/Thuy Van
Diese beiden Flusshöhlen befinden sich im Distrikt Minh Hoa und haben eine Länge von 610 bzw. 691 Metern. Sie sind durch aktive Wasserpassagen geprägt, die Schwimmen und Waten erfordern, sowie durch höher gelegene fossile Abschnitte. Die Höhlen sind relativ gut zugänglich und zeichnen sich durch sandige Böden sowie besondere Kluftstrukturen aus, die wieder an die Oberfläche des Dschungels führen.
Hang Ma Nghi
Hang Cha Rao
Mit einer Länge von über 2.008 Metern war Hang Cha Rao die längste Höhle, die während der Expedition im Jahr 2005 erkundet wurde. Diese spektakuläre Flusshöhle ist bekannt für ihre außergewöhnlich langen Schwimmstrecken und ihr smaragdblaues Wasser. Die Erkundung führt durch eindrucksvolle Kalzitdämme und anspruchsvolle Wasserfälle und endet schließlich an einem vertikalen Wasserfall.
Hang Cha Rao
Hang Nuoc Lan
Hang Nuoc Lan erreicht eine Länge von 965 Metern und ist berühmt für seinen monumentalen Eingang, der die Größe eines Autobahntunnels hat. Das Innere ist gewaltig, mit Abschnitten, die bis zu 60 Meter breit und 50 Meter hoch sind. Die Höhle weist ein raues Gelände mit hausgroßen Felsblöcken auf und endet in einem tiefen, tosenden Schacht.
Hang Me Bon Con
Diese 732 Meter lange Höhle ist ein verborgenes Juwel in der Nähe der bekannten Hang-Vom-Höhle. Sie zeichnet sich durch äußerst fragile und seltene Formationen aus, darunter sogenannte Höhlenperlen sowie einzigartige, kegelförmige Schlammstrukturen, die wie ein kleiner unterirdischer Wald wirken.
Nach einigen Jahren Unterbrechung aufgrund der Pandemie kehrte das britische Höhlenforschungsteam 2023 und 2024 zurück, um die Erkundungen in Quang Binh fortzusetzen. In diesen Jahren vermess das Team mehr als 15 km neuer Höhlengänge.
Der Zeitraum zwischen 2016 und 2020 markiert 30 Jahre britischer Höhlenforschung in Vietnam und steht für die Ausweitung über die etablierten Hauptsysteme hinaus in die rauen, schwer zugänglichen Karstgebiete der Bezirke Quang Ninh und Minh Hoa.
Seit 1990 begannen das von Howard Limbert geleitete britische Höhlenforschungsteam sowie die Universität Hanoi mit der Umsetzung eines Programms zur Erforschung der Höhlen in Quang iình.